| Peter
Wulkau, ein Zeitzeuge berichtet:
„Zufällig habe ich neben Heinrich Böll gestanden,
Heinrich Böll war am 21.August auch in Prag und per
Zufall aber nur haben wir im Hotel Vaclavski […] gemeinsam
Kaffee getrunken so hat sich das ergeben, wir haben an einem
Tisch gesessen und ein paar andere Leute auch noch und auf
dem Wenzelsplatz waren diese Panzer aufgefahren und junge
Menschen warfen mit Steinen und Pflastersteinen und Flaschen
nach diesen Panzern da kam ein Reporter von Deutschland
Funk auf den Heinrich Böll zu und fragte ihn was er
dazu denke das werde ich nicht vergessen er fing an zu weinen,
er hatte Tränen in den Augen. Er sagte: ,,Sie sehen
doch was sich hier abspielt was soll ich da denken. Ich
denke die Ereignisse sprechen hier Bände.“ Das
war eine sehr bewegende Szene.“
|
Die Auslösung für die Entwicklung in der Tschechoslowakei
war die Prager Konferenz zum 80. Geburtstag
von Franz Kafka 1963. Anhand der Erzählung „Die
Verwandlung“ (PDF 50KB) von Kafka wurde das Thema
Entfremdung diskutiert: „ Woran liegt es, dass der
Mensch zum Nichtmenschen wird?“ Einen anderen Diskussionsschwerpunkt
kann man mit einem Satz des marxistischen Philosophen Ernst
Bloch beschreiben: „Ich bin, aber ich
habe mich nicht, deshalb werde ich erst“. Die
offenen Diskussionen bei dieser internationalen Konferenz
gaben den Anstoß für die Veränderung in
der Tschechoslowakischen Gesellschaft, die ihren Höhepunkt
im Prager Frühling fand.
|