Protest und Anpassung im Jahr 1968
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Ein Geschichtsprojekt von zwei Schulklassen
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Studentenrevolte Altenburg (Thüringen)  

In Altenburg geschah 1968 nichts Nennenswertes. Jedoch demonstrierte 1949/1950 eine kleine Studentengruppe der damaligen Karl-Marx-Einheitsschule gegen das SED Regime und der damit verbundenen Unfreiheit. Jörn Brödel, Dieter Grünewald, Ulf Uhlig galten als Verfasser. Dazu kamen Achim Näther, Rudi Edling, Gerd Lorenz, Gerd Schmale und andere Nebenbuhler, wie Ludwig Hayne, Siegfried Flack, Maximilian Folwatschni und Wolfgang Ostermann. Sie verbreiteten in der Stadt Anti-SED-/anti-sowjetische Flugblätter, malten F’s (Freiheit) an Schaufenster und Mauern und verlasen im Dezember 1949 antistalinistische Texte, anlässlich Stalins Geburtstags.

Prof. Dr. Dieter W. Grünwedel, einer der drei Gründer, berichtet in seinem zweiteiligen Artikel „Damals…März 1950 – Erinnerungen eines Beteiligten (Ein Stück Altenburger Zeitgeschichte)“ im Altenburger Geschichts- und Haushaltskalender 2001 und 2004 von der Entstehung und dem Aufbau der Widerstandsgruppe, von seiner Flucht nach Westberlin und im zweiten Teil von seinem Leben nach dem Entkommen. Dabei schreibt er:„Wir drei verstanden uns als Kernzelle der Gruppe, und wir entwickelten Richtlinien, die nicht nur den konspirativen Verkehr untereinander, sondern auch den zu anderen außerhalb der Zelle regeln sollten.“ Die Richtlinien sahen so aus: Nur einer der Gruppe sollte den Verbindungsmann zu anderen Kreisen kennen. Außerdem legten sie die Reihenfolge der gegenseitigen Verratungen fest, falls jemand verhaftet werden sollte. Jeder sollte 24 Stunden schweigen halten, um die Fluchtmöglichkeiten der bislang Unbetroffenen zu ermöglichen. Dazu diskutierten sie über ihren Selbstmord durch Zyankali, falls es zu Folterungen kommen sollte.

Warum die Gruppe aufgeflogen ist? Das ist bis heute ungeklärt. Dieter Grünewald schreibt im ersten Teil:„Eines steht fest: Wir wurden niemals auf frischer Tat ertappt.(…) Was uns sieben betrifft, so begann die turbulente Zeit mehr oder weniger mit der Verhaftung von Ulf Uhlig.“
Das Ende waren die Urteile vom Sowjetischen Militär-Tribunal in Weimar: Brödel- 25 Jahre, Edling- 10 Jahre, Näther- Todesurteil, Schmale- 10 Jahre, Uhlig- 25 Jahre. Grünewald und Lorenz konnten mit Hilfe zweier Schulfreunde nach Westberlin fliehen: Hans-Joachim Birkner und Werner Krüger. Über die Stadt Berlin schreibt Dieter Grünwald Folgendes:„Westberlin war für uns Entkommene der „Duft der großen, weiten Welt“, und dieses Gefühl ließ nicht nur mich, sondern wohl uns alle Trennung von Familie und Heimat in etwas erträglicherem Licht erscheinen.“ Er versuchte ein Studium für die Chemie an der Freien Universität zu erhalten. Jedoch hätte er ein halbes Semester warten müssen, was er nicht wollte. Somit beschloss er, in das Ruhrgebiet auszuwandern, da er ein Arbeitsangebot von dort erhalten hatte. Ein für ihn „paradiesähnlicher Zustand“ hörte auf und eine Zeit der Vereinsamung begann. 1972 traf Dieter Grünwedel zufällig seinen alten Schulfreund und Mitflüchtling Gerd Lorenz am Altenburger Skatbrunnen wieder. Damit schloss sich der „Ring der Altenburg-Saga“.

Man sieht also, dass die damals kleine Stadt Altenburg von den Demonstrationen gegen das System nicht ausgeschlossen worden ist.

Quelle: Altenburger Geschichts- und Haushaltskalender, E. Reinhold Verlag Altenburg,
1.Teil: Ausgabe 2001, Seiten 80 bis 87
2.Teil: Ausgabe 2004, Seiten 81 bis 86

Leipzig
Altenburg
 

 

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